Dipl.-Psych. Christian Hemschemeier - Psychologische Praxis Hamburg Alstertal

     
 
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"Scheidungsfolgen - Die Kinder tragen die Last.
Eine Langzeitstudie über 25 Jahre.
" - Rezension

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Scheidungsfolgen - Die Kinder tragen die Last
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Judith S. Wallerstein, Julia M. Lewis, Sandra Blakeslee:
Scheidungsfolgen-Die Kinder tragen die Last. Eine Langzeitstudie über 25 Jahre. (Münster:)
Votum 2002, 350 Seiten, ISBN 3-935984-03-0, 26,80 €

Zum Thema des Buches
Mit der Möglichkeit, sich relativ einfach scheiden zu lassen, sind große gesellschaftliche
Veränderungen einher gegangen. Einerseits hat dies zu einer deutlich gesteigerten Freiheit der
Erwachsenen geführt, andererseits wachsen Kinder jetzt vermehrt mit nur einem Elternteil bzw.
in Patchwork-Familien auf. Vielfach wird davon ausgegangen, dass Scheidungen letztlich auch
für Kinder positiv sind, um nicht mehr den Streit und das Unglück der Eltern ertragen zu müssen.
Diese These ist aber nicht bewiesen. Mit diesem Buch liegen erstmals konkrete Ergebnisse über
die Auswirkungen von Scheidungen auf Kinder vor. Es wird über eine Studie berichtet, in der
amerikanische Scheidungskinder über 25 Jahre in ihrer Entwicklung verfolgt wurden.

Über die Autoren
Judith S. Wallenstein gilt als Expertin in der Frage der Auswirkungen von Scheidungen. Sie die
Gründerin des Judith Wallenstein Center for Family in Transition. Julia M. Lewis ist Professorin
für Psychologie an der San Francisco State University. Sandra Blakeslee ist eine renommierte
Mitarbeiterin der New York Times.

Aufbau und Inhalte
Kern des Buches sind ausgewählte, sehr detailreiche Entwicklungsgeschichten von
Scheidungskindern. Diese wurden im Zusammenhang mit einer Scheidung und dann alle fünf
Jahre mittels teilstrukturierter Interviews befragt. Gegenüber gestellt werden Entwicklungen von
Kindern aus dem gleichen sozialen Umwelt und "ähnlichen" Familien, die sich aber nicht scheiden
ließen. Innerhalb dieser Verläufe sind Empfehlungen für den Umgang mit der Frage Scheidung
ja oder ein sowie dem Verhalten in Scheidungssituationen eingewoben. Abgerundet wird das
Werk mit genaueren Informationen zur Studie.
Der Tenor der Aussagen der Scheidungskinder aus dieser Studie ist, dass die Scheidung ihr
Leben sehr nachhaltig und negativ beeinflusst hat. Dies bezieht sich teilweise auf die Scheidung
an sich, aber noch viel mehr auf die meist jahrelangen Konsequenzen von Scheidungen (z.B.
schlechterer sozialer Status, instabiles soziales Umfeld, multiple Verlusterfahrungen, vermehrte
Fremdbetreuung).

Einschätzung des Buches
Die Geschichten der Kinder zeichnen ein doch überraschendes und auch bedrückendes Bild der
Folgen von Scheidung. Der Aufbau der Studie (Längschnittstudie über 25 Jahre) ist in dieser Art
einmalig und bietet aufgrund der des Vorgehens viele Einsichten. Insofern handelt es sich um
einen sehr wichtigen Beitrag zu dieser Problematik, der in den USA offenbar auch für große
Aufmerksamkeit gesorgt hat.
Kritisch ist anzumerken, dass die Autorinnen aus einer betont nicht quantitativ bzw. repräsentativ
angelegten Studie doch sehr weitreichende Konsequenzen ziehen. Leider fehlen zur genaueren
Beurteilung der Ergebnisse die erhobenen statistischen Kennwerte. Zudem wird angenommen,
dass sich Scheidungsehen im Prinzip nicht von anderen Ehen unterscheiden und es im Krisenfall
eine „bloße" Entscheidung gibt, ob man sich trennt oder nicht. Dies scheint mir aus
psychologischer Sicht doch recht fraglich und angesichts der größeren Scheidungsraten von
ehemaligen Scheidungskindern auch unplausibel. Weiter dürfte die Situation in Deutschland
aufgrund einer anderen Gesetzgebung etwas günstiger sein.
Dennoch handelt es sich um ein außerordentlich interessantes Buch, dass sowohl für von
Trennung Betroffene als auch für professionell mi dem Thema Befasste sehr empfehlenswert ist.





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